Regie
Ruhrtriennale
Ab Juli werde ich als Produktionsleiter der Ruhrtriennale die neue Produktion S.M.A.S.H von Christoph Schlingensief betreuen.
Nach dem großen Erfolg seiner Inszenierung Eine Kirche der Angst im Jahr 2008 bei der Ruhrtriennale wird Christoph Schlingensief in dieser Spielzeit wieder bei der Ruhrtriennale inszenieren. Die Arbeit entsteht in Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin.
Seine letzte große Arbeit Mea Culpa am Wiener Burgtheater endete mit der auf der Bühne vorweggenommenen Eröffnung des Opernhauses in Burkina Faso als faustischem »Vorgefühl höchsten Glücks«.
Seine neue Produktion für die Ruhrtriennale liefert sozusagen bereits die Fortsetzung und antizipiert auf der Bühne die weitere Entwicklung des Operndorfes in Burkina Faso in den Jahren nach dessen Gründung. Ein phantastisches Szenario wird entworfen, in dem das Projekt in Burkina Faso einen ungeheuren Boom an Hilfsaktionen auslöst: Afrika wird (wie in Roland Emmerichs Weltuntergangsfilm 2012) zum totalen Bezugspunkt für das Überleben der Menschheit.
In diesem Szenario von Christoph Schlingensief wird Kunst zum Transmissionsriemen. Alle wollen plötzlich in Afrika, dem Nabel der Welt, investieren, die Entwicklungshilfe steigt um 1.000 Prozent. Afrika wird überrollt, droht an der totalen Hilfe zu ersticken. Schlingensiefs bescheidenes Operndorf passt in diesen totalen Aufbruch nicht hinein und wird von UNO-Truppen besetzt. Es entspricht nicht der professionellen Großentwicklungshilfe, die jetzt über Afrika hereinbricht mit Parolen, die etwa so klingen: »Wir industrialisieren ganz Afrika, wenn wir auch nur die Seele eines einzigen schwarzen Kindes retten können ...« Die sich in dieser Phantasie entwickelnde Gegenbewegung zum Egoismus des Marktes erweist sich als schwer verdaulicher und selbstzerstörerischer Teil der expandierenden Marktwirtschaft selbst. Jetzt klappt es zwar mit der Hilfe, aber ihre Resultate sind unerträglich.
Die Zeit läuft und eine mögliche oder unmögliche Geschichte des Operndorfs wird im Theater vorweggenommen. Während Schlingensief in Burkina Faso versucht, neue Formen kulturellen Austauschs zu entwickeln, die den Gegensatz von Hilfe und Gleichheit vermeiden können, sieht man in Deutschland bei der Ruhrtriennale bereits die Wirkungen und Konsequenzen dieses Versuchs in aller Ambivalenz auf der Bühne.

